Ein Blick in die Geschichte
Entdecken Sie die Geschichte jener Orte, an denen Sie jeden Tag vorbeikommen
Wie sahen einige Orte im Zentrum der Stadt Ústí nad Labem vor Jahrzehnten aus? Was hat sich verändert und was ist bis heute erhalten geblieben? Antworten auf diese Fragen gibt ein neues Pilotprojekt der Abteilung für Tourismus mit dem Titel „Ein Blick in die Geschichte“.
Informationstafeln, die die Besucher bis Ende September an fünf Standorten im Stadtzentrum finden (gegenüber dem Nationalhaus, beim Kulturhaus, in der Straße Malá Hradební in der Nähe der Bushaltestellen, auf dem Platz des Friedens (Mírové náměstí) vor dem Gebäude des Palais Zdar und auf dem Lidice-Platz (Lidické náměstí), geben Ihnen anhand historischer Aufnahmen und interessanter Informationen einen Einblick, wie diese Orte früher aussahen und wie sie sich im Laufe der Jahre veränderten.
Stellen Sie sich im richtigen Winkel vor die Informationstafel, schauen Sie durch den transparenten Teil und entdecken Sie, wie die heute nicht mehr existierenden oder stark umgebauten Objekte früher aussahen. Wir bitten Sie jedoch um Nachsicht: Die räumliche Einordnung der historischen Objekte in die heutige Bebauung dient lediglich der Orientierung und kann Abweichungen aufweisen.
Teil des Projekts ist auch ein unterhaltsames Gewinnspiel, bei dem jeder Teilnehmer ein kleines Geschenk erhält. Dazu genügt es, alle fünf Standorte zu besuchen, sich an jedem davon fotografieren zu lassen und die Fotos im Informationszentrum der Stadt Ústí nad Labem vorzuzeigen. Ende August und Ende September werden zudem mehrere Gewinner ausgelost, die themenbezogene Buchpreise erhalten.
Elbe-Brunnen (Labská kašna)
Am Ort des heutigen Platzes Lidické náměstí befand sich noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Friedhof bei der kleinen Kirche St. Maternus. Der Friedhof und später im Jahr 1895 auch die Renaissancekirche, die sich ursprünglich hinter den Stadtmauern von Ústí nad Labem befanden, wichen der Stadtentwicklung, wobei das Gelände zu einer Parkanlage umgestaltet wurde. Zum Gedenken an die ehemalige Kirche trug die Parkanlage zunächst den Namen „Maternus-Gärten“ (Maternovy sady) und ab dem Jahr 1911 „Materniplatz“ (Maternovo náměstí). In den Jahren 1907–1909 entstand an der Westseite des Platzes das prächtige neobarocke Gebäude des Stadttheaters nach einem Entwurf des Wiener Architekten Alexander Graf.
Im Jahr 1911 wurde der Platz gegenüber dem Theater durch einen Brunnen verschönert, dessen Schöpfer der Dresdner Bildhauer Selmar Werner war. Der Bau wurde vom Unternehmer Ludwig Wolfrum aus Ústí finanziert und der Stadt gestiftet. Er trug den Namen „Elbe-Brunnen“ (in älteren Quellen findet sich auch die Bezeichnung „Schöner Brunnen“) und seine Dominante bildete eine weibliche Figur auf einem Sockel, die als Personifizierung des Flusses Elbe in Richtung Theater blickte. Zu ihren Füßen stand die Statue eines Kindes, das den Fluss Bílina (Bilin) darstellte. Weiter unten am Rand des runden Beckens befanden sich vier sitzende Männerfiguren, welche die Elbeschifffahrt, den Bergbau, die Industrie und den Handel als Quellen des Wohlstands von Ústí nad Labem verkörperten. Dieses Konzept verwies auf die jahrhundertealte Verbindung der Stadt mit jenem Fluss, der ihr Schicksal in hohem Maße bestimmte. Im Jahr 1940 ließ die nationalsozialistische Stadtverwaltung die Parkanlage, einschließlich des Brunnens, vom Platz (der von 1938 bis 1945 den Namen Langemarckplatz trug) rücksichtslos entfernen und den Bereich pflastern, wodurch ein karger Raum entstand, den die Einwohner von Ústí als „Appellplatz“ bezeichneten. Da es sich bei den Statuen um Bronzeskulpturen handelte, ist es wahrscheinlich, dass sie für Kriegszwecke requiriert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt der Platz den Namen „Lidické náměstí“ (Liditzer Platz) und wurde im Jahr 1963 neu gestaltet, wodurch Grünflächen und Wasserelemente in Form von Springbrunnen an diesen Ort zurückkehrten.
Selmar Werner (12.12.1864, Thiemendorf – 19.08.1953, Graupa) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Grafiker. In den Jahren 1907–1927 war er als Professor an der Dresdner Akademie der Bildenden Künste tätig. In seinem umfangreichen Werk, das Porträt-, Monumental- und Grabskulpturen umfasst, sticht unter anderem die Bronzeskulptur des Christus für den Brunnen der Dresdner Versöhnungskirche (1928) (hervor). Werner verband eine enge Freundschaft mit Karl May, der ebenfalls Verbindungen nach Ústí nad Labem hatte. Werner schuf für May nicht nur die bekannte Marmorbüste, sondern auch die skulpturale Ausstattung seines Grabmals in Radebeul.
Synagoge in Ústí
Die Juden begannen erst zum Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts Ústí nad Labem zu besiedeln, was auf die Lockerung der Verhältnisse nach dem Jahr 1848 zurückzuführen war. Die Zahl der jüdischen Einwohner von Ústí wuchs trotz aller Schwierigkeiten, die diese Zeit ihnen bereitete, und so entstand im Jahr 1863 ein Gebetsraum in einem Haus an der Ecke der Straßen Bílinská und Malá Hradební. Drei Jahre später wurde ein Haus in der Straße Malá Hradební gekauft, an dessen Stelle eine Synagoge entstehen sollte. Schließlich wurde im Jahr 1870 die israelitische Religionsgemeinde in der Stadt offiziell zugelassen.
Der Bau der eigentlichen Synagoge im orientalischen Stil wurde am 1. April 1880 von dem renommierten örtlichen Bauunternehmen Alwin Köhler begonnen. Die Baukosten, die 20.000 österreichische Gulden überstiegen, wurden von den Mitgliedern der Religionsgemeinde gemeinsam aufgebracht. Das Gebäude wurde noch im selben Jahr fertiggestellt und vom Teplitzer Rabbiner Dr. Artur Rosenzweig geweiht. An den Feierlichkeiten nahmen unter anderem der Chor der jüdischen Gemeinde von Roudnice und der örtliche deutsche Gesangsverein teil. Im Jahr 1901 wurde die Synagoge erweitert und mit einer zweimanualigen Orgel der Firma Rieger aus Krnov ausgestattet. In der Zwischenkriegszeit diente sie fast tausend Einwohnern jüdischen Glaubens von Ústí.
Die Synagoge überstand zwar die antijüdischen Unruhen, zu denen es nach der Unterzeichnung des Münchner Abkommens am 30. September 1938 kam, sowie die sogenannte „Kristallnacht“ (antijüdisches Pogrom in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938), jedoch wurde sie am 31. Dezember desselben Jahres vollständig zerstört, als die Nationalsozialisten sie in Brand setzten. Unter Nutzung der erhalten gebliebenen Außenmauern errichtete die Metzgerei Houdek an dieser Stelle anschließend eine Wurstwarenfabrik und eine Metzger-Berufsschule. Während der Luftangriffe der Alliierten auf die Stadt am 17. und 19. April 1945 wurde das gesamte Gebiet durch Bombardierungen schwer beschädigt und das Gebäude vollständig zerstört. Auch nach dem Krieg wurde der Ort nicht respektvoll behandelt, und in den ehemaligen Kellerräumen entstanden öffentliche Toiletten. In den Jahren 2008–2009 wurde die Baulücke, die nach dem Abriss der Gebäude – einschließlich der ehemaligen Synagoge – entstanden war, mit dem Einkaufszentrum „OC Forum“ bebaut.
Nationalhaus
Das Gebäude des heutigen Nationalhauses (Národní dům) st ein interessantes Zeugnis der Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens in Ústí nad Labem. Das ursprüngliche Bauwerk ließ im Jahr 1853 Anton Schmidt errichten. Hier befand sich ein Gasthaus, zu dem auch ein Gartenrestaurant mit Salon sowie eine Kegelbahn gehörten. In den 70er und 80er Jahren des 19. Jahrhunderts führte Theresie Schmidt, die Witwe des ursprünglichen Eigentümers, Umbauten und Erweiterungen durch, in deren Rahmen ein Tanzsaal entstand. Weitere Baumaßnahmen fanden in den Jahren 1895–1899 statt.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Objekt gemeinsam von den örtlichen tschechischen Vereinen erworben, woraufhin das Gebäude einen neuen Namen erhielt – das Nationalhaus (Národní dům). Es wurde zum gesellschaftlichen und kulturellen Zentrum der tschechischen Minderheit in Ústí. Hier hatten beispielsweise die Nationale Vereinigung Nordböhmens (Národní jednota severočeská), der Turnverein Sokol oder die Tschechische Bezirksjugendfürsorge ihre Büros oder Vereinsräume; außerdem gab es hier eine tschechische Buchhandlung und den Verlag Otomar Bukač. Genau das können die Besucher im Durchblick sehen.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, nachdem die Luftangriffe im April den Sitz der Kreisleitung der NSDAP (ursprünglich das Vereinshaus „Ressource“, das ungefähr an jener Stelle stand, an der sich heute teilweise das Rathausgebäude befindet) zerstört hatten, befand sich der Sitz des Kreisleiters der NSDAP, Rudolf Schittenhelm, für kurze Zeit im Nationalhaus. Dorthin kamen am 8. Mai 1945 die Vertreter des tschechischen Revolutionskomitees Doležal, Jakubíček und Jelínek in Begleitung des deutschen Sozialdemokraten Otto Uthoff. Der ursprünglich unnachgiebige Schittenhelm ließ sich von der Delegation davon überzeugen, von seinem Plan zur Verteidigung der Stadt abzurücken und die Machtübernahme durch das Revolutionskomitee anzuerkennen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war in dem Gebäude das „Haus der Aufklärung“ (Dům osvěty) untergebracht. In den 60er Jahren hatte hier die Verwaltung der städtischen Kultureinrichtungen ihren Sitz, und in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts war hier das Ensemble „Kladivadlo“ tätig, aus dem später das Theater „Činoherní studio“ (Schauspiel-Studio) hervorging. In den 70er Jahren wurde das Gebäude erneut umgebaut. Hier hatten unter anderem die Kulturabteilung des Bezirks-Nationalausschusses, das Bezirkskulturzentrum, der Nordböhmische Verlag „Severočeské nakladatelství“ sowie die Redaktion der Zeitung „Sever“ (Norden) ihr Domizil.
Im Jahr 1983 wurde hier das Restaurant „Hai Phong“ eröffnet, das allererste Lokal mit vietnamesischer Küche in der damaligen Tschechoslowakei. Während der sog. Samtenen Revolution gründeten die Einwohner von Ústí am 23. November 1989 hier das örtliche Bürgerforum. Seit dem Jahr 1991 wird das Gebäude vom Kulturzentrum der Stadt Ústí nad Labem verwaltet, wobei es wieder seinen Namen aus der Zwischenkriegszeit: „Národní dům“ (Nationalhaus) erhielt.
Schaffner-Villa
An jener Stelle, an der sich heute das Kulturhaus befindet, stand bis 1959 eine prächtige neugotische Villa. Diese ließ für sich der langjährige Direktor des Österreichischen Vereins für chemische und metallurgische Industrie, Max Schaffner, errichten. Der Bau erfolgte in den Jahren 1874–1876 nach einem Entwurf des Wiener Architekten Hans Miksch, die Bauarbeiten leitete Robert Langs. Die Größe und die Pracht der Villa, die an ein kleines Schloss erinnerte, zeugten von Schaffners gesellschaftlicher Stellung. Die Familie lebte auch nach Schaffners Tod in der Villa, verlor sie jedoch im Jahr 1939, als sie offenbar deutlich unter ihrem Wert vom damaligen Bürgermeister Richard Tauch gekauft wurde. Der Ehemann von Schaffners Enkelin war nämlich jüdischer Herkunft. Anschließend war die Villa Sitz der Stadtverwaltung. Im Jahr 1945 wurde das Gebäude als deutsches Eigentum beschlagnahmt, und im Jahr 1954 wurde der Abriss der Villa beschlossen, der am 25. September 1959 erfolgte. An der frei gewordenen Stelle entstand anschließend das Kulturhaus nach einem Entwurf von Jaroslav Lácha und Helena Láchová Skálová.
Max Schaffner (1830–1907) gehörte zu den bedeutenden Vertretern der industriellen Elite des 19. Jahrhunderts und zu den zentralen Triebkräften der wirtschaftlichen Entwicklung im Nordwesten Böhmens. Er baute den Österreichischen Verein für chemische und metallurgische Industrie erfolgreich zu einem der größten Chemiekonzerne der damaligen Habsburger Monarchie aus. Unter seiner Führung expandierte der Verein auch über Ústí hinaus und führte systematisch moderne technologische Verfahren in die Produktion ein. Zugleich setzte sich Schaffner für den Bau von Wohnungen für die Mitarbeiter sowie für die Gründung einer betrieblichen Versicherungskasse ein. Seine Frau Bertha widmete sich wohltätigen Zwecken und ließ unter anderem das nahegelegene Tal des Ziebernik-Baches (Stříbrnický potok) zu einem Waldpark im romantischen Stil umgestalten. Dieser Ort trägt bis heute nach ihr den Namen „Bertha-Tal“ (Bertino údolí).
Der aus Liberec (Reichenberg) stammende Hans Miksch (1846–1904) war – gemeinsam mit seinem Partner Julian Niedzielski (1849–1901) – Urheber oder Mitgestalter zahlreicher Bauwerke in Ústí nad Labem. Zu seinen Auftraggebern zählten neben Max Schaffner auch andere wohlhabende Einwohner von Ústí nad Labem wie Carl Friedrich Wolfrum, Ludwig Wolfrum, Jacob Weinmann oder Ignaz Petschek. Gemeinsam mit Niedzielski entwarf Miksch auch das prächtige Vereinshaus „Ressource“.
Robert Langs (1843–1914) war ein Bauunternehmer aus Ústí und langjähriger Leiter der Bauabteilung des Österreichischen Vereins für chemische und metallurgische Industrie. Er stand unter anderem hinter den Entwürfen für das Verwaltungsgebäude des Vereins aus den Jahren 1893–1895 sowie für die Arbeiterhäuser in der heutigen Straße „U Chemičky“ (Bei der Chemiefabrik). Diese entstanden nach und nach in den Jahren 1882–1907, und auch bei diesen Bauvorhaben kam die neugotische Formensprache deutlich zum Tragen.
Das Gerichtsgebäude am Platz Mírové náměstí
Der Platz Mírové náměstí, ursprünglich „Tržní“ (deutsch „Marktplatz“) genannt, war bereits seit dem Mittelalter das traditionelle Zentrum der Altstadt von Ústí. Aufgrund der langen und oft turbulenten Geschichte erfuhr auch der Platz zahlreiche Veränderungen. Die Häuser wurden mehrfach umgebaut oder komplett neu errichtet. Auch die offene Fläche des Platzes unterlag Veränderungen. Noch zumindest im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts fehlte hier das Pflaster; im westlichen Teil befand sich ein Brunnen und auf der Ostseite eine Säule mit der Statue des heiligen Antonius. Der Brunnen wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts entfernt, später im Jahr 1960 auch die Säule, aufgrund des Baus des Interhotels Bohemia. Erst im Jahr 1996 kehrte er auf den Platz zurück, allerdings auf der gegenüberliegenden Seite. Der traditionelle Name „Marktplatz“ änderte sich im 20. Jahrhundert gleich dreimal – nach der Annexion des tschechoslowakischen Grenzgebiets durch Deutschland im Jahr 1938 wurde der Platz in „Platz der SA“ umbenannt, nach dem Krieg erhielt er den Namen Platz des Präsidenten E. Beneš („Náměstí presidenta Beneše“) und schließlich wurde er im Jahr 1952 in Platz des Friedens („Mírové náměstí“) umbenannt.
Das Fachwerk-Rathaus im Renaissancestil aus dem 16. Jahrhundert wurde im Jahr 1845 abgerissen und zwei Jahre später durch einen Neubau im späten Empire-Stil ersetzt. Das neue Rathaus mit Turm diente jedoch nicht lange seinem vorgesehenen Zweck. Nach den revolutionären Ereignissen des Jahres 1848 wurde die sogenannte patrimoniale (feudale) Verwaltung abgeschafft, und es entstanden zentralisierte staatliche Behörden. Das Gebäude diente fortan als Bezirksgericht, was natürlich das Ansehen der Stadt steigerte. Zunächst stellte die Stadt das Gebäude unentgeltlich zur Verfügung, ab dem Jahre 1850 gegen eine Miete von 500 Gulden. Das Stadtamt befand sich in den Jahren 1852–1883 im Schulgebäude in der Straße Solní (einer heute nicht mehr existierenden Straße bei der Kirche Mariä Himmelfahrt), danach im Haus „Zur Goldenen Krone“ auf dem Platz, rechts vom Gerichtsgebäude.
Das Gerichtsgebäude selbst wurde bereits im Jahr 1850 durch den Bau eines Flügels in der Rathausstraße (Radniční) (heute etwa die Straße „U Spořitelny“) erweitert. Ein weiterer Anbau folgte im Jahr 1889, als auf der anderen Seite des Gebäudes im Erdgeschoss eine Wohnung für den Gefängniswärter, ein Reinigungsraum und eine Werkstatt, im ersten Stock Zellen und im zweiten Stock Büros hinzukamen. Später war hier auch die Bezirkshauptmannschaft untergebracht.
Die Gebäude rechts vom Gerichtsgebäude wurden in den Jahren 1937 und 1938 abgerissen; an ihrer Stelle entstand nach einem Entwurf von Franz Josef Arnold das Palais der Aussiger Sparkasse, der heute Sitz einer Filiale der Česká spořitelna (Tschechische Sparkasse) ist. Das Haus links vom Gerichtsgebäude trug den Namen „Der Goldene Engel“ (Zlatý anděl). Dieses Haus aus dem Jahr 1830 verfügte ursprünglich über eine Arkade, die offenbar im Jahr 1844 zugemauert wurde. Es handelte sich um eines der ältesten Gasthäuser der Stadt. Im Erdgeschoss befand sich später das Café „Kaffee Wien“, das erste Obergeschoss wurde in der Zwischenkriegszeit an das Bezirksgericht vermietet, weitere Teile des Hauses dann an das Bezirksamt, das Finanzamt und den Bezirksschulrat. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier das Restaurant „Zdar“ untergebracht, nach dem auch das heutige Palais „Palác Zdar“ benannt ist.
Der Abriss der Gebäude des Gerichts sowie des Restaurants „Zdar“ erfolgte am 14. Januar 1976 im Rahmen der Pläne zur Neugestaltung des Stadtzentrums. Das Gelände wurde anschließend bewusst nicht bebaut; dort befand sich ein Parkplatz, und die Baulücke unterstrich optisch die Dominanz des später errichteten Sitzes des Nordböhmischen Regionalkomitees der Kommunistischen Partei (heute Sitz der Verwaltung der Region Ústí nad Labem) in der Straße Dlouhá. Im Jahr 1993 wurde ein städtebaulicher Wettbewerb zur Fertigstellung des historischen Stadtkerns ausgeschrieben, den der schlicht gehaltene Entwurf des Architekten Roman Koucký gewann, der eine Ergänzung der Bebauung in Höhe und Grundriss der abgerissenen Gebäude vorsah. In den Jahren 2004–2009 entstand an ihrer Stelle das Palais Palác Zdar, eines der gelungensten Bauprojekte in Ústí nad Labem seit dem Jahr 2000. Der Entwurf der Architekten Ivan Reimann und Jan Jehlík knüpft an die expressionistischen und funktionalistischen Bauten der Zwischenkriegszeit an und setzt damit in gewisser Weise die unterbrochene architektonische Entwicklung der Stadt fort.
Informationen zum Projekt – erscheinen auf allen Tafeln:
Ein Blick in die Geschichte
Dieses Projekt zeigt das verschwundene Erscheinungsbild der Stadt Ústí nad Labem. Wenn Sie sich im richtigen Winkel vor die Informationstafel stellen und durch deren durchsichtigen Teil blicken, erhalten Sie einen Eindruck davon, wo sich die heute nicht mehr existierenden oder stark umgebauten Gebäude befanden und wie sie aussahen.
Hinweis: Die räumliche Einordnung der historischen Objekte in die heutige Bebauung lediglich der Orientierung und kann Abweichungen aufweisen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Das Projekt „Ein Blick in die Geschichte“ wurde von der Abteilung für Tourismus des Magistrats der Stadt Ústí nad Labem vorbereitet.
Die Informationstafeln werden bis Mitte September an fünf Standorten in der Stadt aufgestellt: gegenüber dem Nationalhaus, beim Kulturhaus, in der Straße Malá Hradební in der Nähe der Bushaltestellen, auf dem Platz des Friedens (Mírové náměstí) vor dem Gebäude des Palais Palác Zdar und auf dem Liditzer Platz (Lidické náměstí).
Gewinnspiel
Hat Sie dieses Projekt angesprochen? Nehmen Sie an unserem Gewinnspiel teil! Fotografieren Sie alle fünf Tafeln und teilen Sie die Fotos auf Facebook oder Instagram mit den Hashtags #okodohistorie und #ustinadlabem und markieren Sie das Profil @usti_nad_labem_volny_cas (Instagram) oder Ústí nad Labem – Volný čas (Facebook). Schauen Sie anschließend im Informationszentrum der Stadt Ústí nad Labem im Palais Palác Zdar auf dem Platz des Friedens (Mírové náměstí) 1/1 vorbei, wo Sie Ihren Beitrag den Mitarbeitern des Informationszentrums vorzeigen. Sie erhalten das Abzeichen „Oko do historie“ (Ein Blick in die Geschichte), und wenn Sie ein einfaches Formular ausfüllen, nehmen Sie außerdem an der Verlosung themenbezogener Buchpreise teil.