Archiv der Stadt Ústí nad Labem

Historische Entwicklung des Stadtarchivs Ústí n. L.

Im Gegensatz zu vielen der heutigen staatlichen Bezirksarchive wurde das Stadtarchiv von Ústí nad Labem nicht künstlich gegründet, sondern hat sich als Einrichtung der Stadt auf natürliche Weise entwickelt.

Im Gegensatz zu vielen der heutigen staatlichen Bezirksarchive wurde das Stadtarchiv von Ústí nad Labem nicht künstlich gegründet, sondern hat sich als Einrichtung der Stadt auf natürliche Weise entwickelt. Damals wurde der städtische Registerführer Friedrich Sonnewend beauftragt, die historischen Akten der Stadt zu ordnen. In den Jahren 1840-1890 hatte das Stadtarchiv keinen ständigen Verwalter. Im Jahre 1890 wurde der Bibliothekar des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Wenzel Hieke, zum Archivverwalter ernannt. Nach seinem Tod im Jahr 1895 übte bis zum Jahr 1919 Dr. med. Alexander Marian die Arbeit des Archivars aus.

Im Jahre 1920 wurde Dr. Franz Josef Umlauf zum Archivverwalter ernannt. Umlauf übte diese Tätigkeit nebenberuflich aus. Das Archiv hatte seinen Sitz in zwei Räumen im Kellergeschoss des deutschen Gymnasiums in der Straße Velká Hradební.

Am 11. November 1922 führte im Auftrag des Ministeriums für Schulwesen und nationale Aufklärung Dr. Bedřich Mendl eine Inspektion des Archivs der Stadt Ústí nad Labem durch. Das Ergebnis der Inspektion war eine Subventionszusage für das Archiv, die an die Archivpflege der Akten des ländlichen Bezirksteils geknüpft war. Seit 1922 war das Archiv der Stadt Ústí nad Labem zugleich das Bezirksarchiv. Im Laufe der 1920er Jahre übernahm Umlauf nach und nach die Akten der patrimonialen Verwaltung, der städtischen Brauerei und die Bücher des Aussiger Rentenamtes in das Archiv. Vom Börsenmakler Karl Böhm erhielt er für das Archiv komplette Jahrgänge der Aussiger Zeitung seit 1856, die jedoch im Archiv keinen Platz fanden und deshalb im Keller des Schlosses in Trmice deponiert wurden. Anfang der 1930er Jahre wurde Umlauf zunehmend mit der Organisation der deutschen Landeskunde in der Tschechoslowakei und mit Genealogie betraut. Wegen Vernachlässigung seiner Archivarbeit geriet er in scharfe Auseinander-setzungen mit dem Bürgermeister Leopold Pölzl. Der Streit erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1934, als Umlauf bei Pölzl seine Kündigung als Archiv-verwalter schriftlich beantragte. An Umlaufs Stelle wurde der fachlich ausgebildete Archivar Dr. Franz Josef Wünsch eingestellt.

Im Jahr 1936 beschloss der Stadtrat einen neuen Status für das Archiv. Das Archiv wurde als städtische Behörde definiert und der Archivverwalter wurde Angestellter der Stadt. Nach jahrelangen Bemühungen erwarb Wünsch im Jahre 1939 für das Archiv größere Räumlichkeiten in einem Haus auf dem Platz Václavské náměstí in Trmice.

Im Jahr 1941 wurde der Archivar Franz Josef Wünsch einberufen und Franz Josef Umlauf übernahm seine Stelle. Im Zuge der Reorganisation im Jahr 1942 übernahm der Leiter des städtischen Kulturamtes, Walter Hermann, die Leitung des Archivs und gleichzeitig auch die des Stadtmuseums. Nach dessen Einberufung übernahm Umlauf die Archivleitung zum dritten Mal. Er verwaltete das Archiv bis zum 13. Dezember 1945, dann übergab er die Schlüssel des Archivs an Dr. Alfred Piffl. Es ist Umlauf zu verdanken, dass es zum Kriegsende und in der darauffolgenden Zeit zu keinen Verlusten an Archivalien kam. Nach Piffl übernahm offiziell der Ornithologe Dr. Josef Jirsík die Verwaltung des Stadtarchivs, de facto wurde das Archiv jedoch von Ing. Karel David nebenberuflich verwaltet.

Im Herbst 1951 wurde Jan Bouček Stadtarchivar. Er leitete das Archiv bis zu seinem Tod im Jahr 1983. Während seiner Tätigkeit wurden im Archiv die Fonds der Stadt und des Bezirks Ústí nad Labem zusammengeführt und auf eine moderne Art geordnet. Das Archiv erhielt im Jahr 1968 neue Räume im Zentrum von Ústí nad Labem. Seit 1984 leitet Dr. Vladimír Kaiser das Archiv.

Im Jahr 1986 wurde im Bezirk Ústí nad Labem eine tiefgreifende Verwaltungs-reform durchgeführt. Ústí nad Labem wurde zu einer kreisfreien Stadt erklärt. Das Archiv wurde als eine Einrichtung des Referats für innere Angelegenheiten des Nationalausschusses der Stadt wieder zum Archiv der Stadt Ústí nad Labem, wobei es – genauso wie der Nationalausschuss der Stadt Ústí nad Labem – seine Archivtätigkeit auf das gesamte Gebiet des Bezirks Ústí nad Labem erstreckte. Nach der Wahl im Jahr 1990 wurde der Nationalausschuss der Stadt Ústí nad Labem aufgelöst und der Stadt durch das Gesetz über die Gemeinden (Gesetz Nr. 367/90 des Gesetzbuches, § 3) der besondere Status „kreisfreie Stadt“ zuerkannt. Damit wurde das Stadtorgan „Amt der Stadt Ústí nad Labem“ geschaffen. Seit 1990 ist das Archiv eine eigenständige Abteilung des Stadtamtes bzw. des Oberbürgermeisteramtes und hat die Archivpflege des gesamten Bezirks übernommen.

Adresse und Kontakte: www.usti.cz/cz/uredni-portal/sprava-mesta/magistrat/odbory-oddeleni/archiv-mesta-usti-nad-labem

  

Foto: Archiv der Stadt Ústí nad Labem, 2018